Jonas Ratsch – Der Deutsche Meister im Kanurennsport stellt sich vor

Jonas Ratsch berichtet über seine Anfänge und den ersten großen Erfolg auf der Deutschen Meisterschaft.

Ich bin Jonas Ratsch, bin am 15.02.2005 in Neustrelitz geboren und betreibe seit 2014 Kanurennsport. Auf den Sport kam ich durch meinen Bruder, der ein Jahr zuvor im Wassersportverein “Einheit“ Neustrelitz e.V. mit dem Sport begann, dem ich auch in den WSV folgte.
Meinen allerersten Erfolg erlang ich 2015 auf der Herbstregatta in Neustrelitz. Hier erreichte ich im K1 über 200 Meter den 2. Platz. Meinen ersten großen Erfolg erreichte ich auf der Norddeutschen Meisterschaft 2016. 2017 startete ich das erste Mal auf einem bundesweiten Wettkampf, der „Großen Brandenburger Kanurennsport Regatta“. Dort erreichte ich den ersten Platz im K1 über die Distanzen 500 und 2000 Meter.

Im Sommer 2018 erlitt ich bei einem Sportunfall in der Schule einen Außenbandriss und konnte für 4 Wochen nur eingeschränkt Krafttraining betreiben. Nach 4 Wochen fing ich wieder langsam an zu paddeln, um mich auf die Norddeutsche Meisterschaft vorzubereiten. Auf dem Wettkampf war der Fuß immer noch nicht komplett verheilt, dadurch konnte ich beim Kanumehrkampf nicht am Lauf und am Standweitsprung teilnehmen und auch nur im Einer mein 500-Meter-Rennen fahren. In diesem Rennen konnte ich mich mit einem 2. Platz für die „Deutschen-Kanurennsport-Meisterschaften“ in Hamburg qualifizieren. Im Mehrkampf erreichte ich trotz der Ausfälle einen Platz unter den ersten Zehn und konnte mich somit auch für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Nach dem Wettkampf dachte ich über einen Wechsel zur Sportschule nach Neubrandenburg nach.

In der Vorbereitungsphase für die Deutschen Meisterschaften machte der Fuß immer noch Probleme, wodurch ich das Lauftraining aufs Fahrrad verlagern musste. Zur Deutschen Meisterschaft hatte ich immer noch Schmerzen am Fuß, ich wollte aber kein Risiko auf weitere Verletzungen eingehen und entschied mich dafür, nicht am Mehrkampf teilzunehmen. So startete ich im Einer über 500 Meter gegen den älteren und meinen Jahrgang, weil ich aus meinem Jahrgang der beste aus Norddeutschland war. Das Rennen war für mich mit einem 7. Platz im Vorlauf dann auch schnell vorbei. Im Endeffekt war ich nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung, aber viel mehr hätte ich durch die Verletzung auch nicht erwarten können. Nach dem Wettkampf entschied ich mich dann endgültig auf die Sportschule nach Neubrandenburg zu wechseln, weil ich dort mehr Möglichkeiten habe, öfter und effektiver zu trainieren.
Ich entschied mich als Abschied bei meinem alten Verein noch mit zur Jugendwanderfahrt (noch vor der Deutschen Meisterschaft) auf der Werra zu fahren. In dieser Woche hatten wir sehr viel Spaß zusammen mit meinen Sportkameraden. Nach der Fahrt fiel es mir ein bisschen schwer Abschied zu nehmen, weil ich mit der Trainingsgruppe und allgemein im Verein viele schöne aber auch lustige Erlebnisse hatte. Die Zeit in Neustrelitz hat sehr viel Spaß gemacht und deshalb war ich auch traurig als diese Zeit dann vorbei war.

Die ersten Wochen auf der Sportschule waren nicht einfach, weil man sich erst an den neuen Tagesablauf und das Training gewöhnen musste. Das geschah aber ziemlich schnell. Seit ich in Neubrandenburg bin, trainiere ich bei Matthes Scheffler in der Trainingsgruppe und konnte mich seitdem sportlich sehr gut weiterentwickeln.

Das Training macht trotz der vielen Sportler in der Gruppe Spaß, es ist aber auch sehr anstrengend und ist trotzdem manchmal auch sehr lustig. Das Internat, die Schule und die Trainingsstätte liegen sehr dicht beieinander, wodurch man sehr viel Zeit auf den Wegen zum Training oder zur Schule spart. Die Anforderungen in der Schule sind an den Sport angepasst und man hat im Gegensatz zu einer normalen Schule weniger Stunden Unterricht pro Woche (31 Stunden in Klasse 9), dafür findet aber auch Training während der Schulzeit statt.

Nun bin ich schon das Zweite Schuljahr auf der Sportschule, das heißt, dass ich mich im Sport auch deutlich verbessert habe. Auf der „Großen Brandenburger Kanurennsport Regatta“ belegte ich im K1 über 500 Meter hinter einem Sportler aus Polen den 2. Platz und im K2 über 2000 Meter zusammen mit Paavo Schewe den 1. Platz. Auf der Norddeutschen Meisterschaft konnte ich mich dann wieder mit einem 1. Platz im K1 über 500 Meter für die Deutschen Meisterschaften 2019 qualifizieren. Des weiteren belegte ich im K2 über 500 Meter zusammen mit Moritz Freitag den 1. Platz, im Kanumehrkampf den 1. Platz und im K4 über 500 Meter zusammen mit Moritz Freitag, Paavo Schewe und Dan Froese den 1. Platz.
Die Langstreckenrennen wurden für unsere Altersklassen aufgrund eines zu starken Sturmes leider abgesagt.

Nach umfangreicher Vorbereitung ging es dann endlich los zur Deutschen Meisterschaft 2019. Dort startete ich zum Kanumehrkampf; über die Distanz 500 Meter im K1, K2 und im K4 sowie im K4 über die Distanz 2000 Meter. Das 500 Meter Rennen im Einer verlief eigentlich perfekt. Die Voraussetzungen waren super, das einzige Problem war eine leichte Erkältung, was mir zu dem Zeitpunkt aber egal war, weil ich dieses Rennen gewinnen wollte. Das Rennen verlief perfekt, sodass ich am Ende mit etwa einer Bootslänge Vorsprung als erster die Ziellinie überquerte und somit „Deutscher Meister“ Im K1 über 500 Meter in meinem Jahrgang wurde. Dagegen verlief der Mehrkampf leider nicht wie geplant, weil ich beim Medizinballschocken sehr schlecht abschnitt und mir dadurch nur noch wenige Chancen auf eine Platzierung unter den ersten drei blieben. Da das 1000 Meter Rennen des Mehrkampfes nur kurz nach meinem 500 Meter Endlauf im Einer stattfand war ich nicht mehr fit genug, um ein gutes Rennen zu fahren. Dadurch landete ich in der Gesamtwertung auf Platz 5, was trotzdem noch akzeptabel war.
Am nächsten Wettkampftag stand der Zweier und der Vierer über 500 Meter an. Der Endlauf im Vierer verlief an sich nach einigen Problemen im Vor- und Zwischenlauf doch ganz gut, sodass wir am Ende hinter Berlin auf dem Zweiten Platz landeten. Der K2-Endlauf war eigentlich komplett aussichtslos, da wir vom Vierer-Rennen noch ausgepowert waren, aber wir hatten ein wenig Glück, weil es unseren Gegnern auch nicht anders erging. Das Rennen war für mich sehr spannend und anstrengend. Nach dem Start waren wir zunächst auf Position 2, woran sich auch bis kurz vor dem Ziel nichts änderte, doch dann gab ich das Signal zum Endspurt und wir schoben uns Schlag für Schlag an den Berlinern vorbei, sodass wir knapp vor den Berlinern das Ziel erreichten. Dieser Sieg kam so unerwartet, dass ich im Ziel zu meinem Partner Paavo Schewe nur sagte: „Damit hab ich jetzt nicht gerechnet“. Das war in dem Moment so lustig, dass wir einfach nur anfingen zu lachen, anstatt uns über den Sieg zu freuen. So waren wir auch „Deutsche Meister“ im K2 über 500 Meter. Am letzten Wettkampftag stand das Rennen im K4 üben 2000 Meter an, wofür wir uns vorher nochmal ordentlich vorbereiten mussten. Im Rennen belegten wir nach einem Crash mit drei weiteren Booten aus Berlin, Karlsruhe und Dresden noch mit viel Abstand zum dritten den Zweiten Platz, sodass ich die Meisterschaften mit zwei „Deutscher Meister“-Titeln, zwei „Vize- Deutscher Meister“- Titeln und einem Fünften Platz im Kanumehrkampf abschließen konnte.

Wobei ich am Anfang meiner sportlichen Laufbahn immer nicht ins Boot steigen wollte.

Für die nächste Saison habe ich mir als Ziel gesetzt auf jeden Fall wieder an den „Deutschen -Kanurennsport-Meisterschaften teilzunehmen“ und mich sportlich wieder deutlich zu verbessern, um vielleicht irgendwann international zu starten.

Jonas Ratsch

 

 

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